Das Traktursystem in Zülpich, St. Peter

T Anreisser
Eine solch komplexe Steuerung der Orgel wie in Zülpich vollständig zu beschreiben, ist kaum möglich. Sie finden hier einige wenige mit Screenshot unterstütze Details, ohne daß wir auch nur annähernd die vielen Möglichkeiten nennen können.

Vielleicht haben wir so aber Ihr Interesse geweckt und Sie lassen sich die Orgel live vorführen.

 

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Orgelwerk in Zülpich um eine klassische Schleifladenorgel mit elektrischer Spiel- und Registertraktur. Lediglich einige bei der Reorganisation ergänzte Register wurden jetzt auf einer Einzeltonwindlade realisiert.
Die durch eine solche Einzeltonwindlade bekannten zusätzlichen Möglichkeiten sind aber nur ein kleiner Teil dieses Gesamtkonzepts.

Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass sich ein ortsunkundiger Gastorganist direkt zurecht findet. Die wesentlichen Funktionen sind ohne das vorhandene Touchdisplay bedienbar.  Spezielle Voreinstellungen, zum Beispiel für einen weniger versierten Aushilfsorganisten einer Werktagsmesse, werden im System hinterlegt. Nach der persönlichen Anmeldung des jeweiligen Organisten am Spieltisch mittels eines Transponderchips werden die für ihn oder von ihm hinterlegten Einstellungen in das System geladen. So kann man zum Beispiel für die Werktagsmesse das Orgelwerk in der Annokapelle  automatisch vom III. Manual auf das I. Manual legen. So wird es für jeden Organisten deutlich komfortabler, den komplexen Spieltisch zu bedienen. Den Aushilfsorganisten kann man auch ein wenig die Scheu vor einem solchen großen "Apparat" nehmen.

Vielleicht zu Beginn etwas was gar nichts mit zusätzlichen Koppeln etc. zu tun hat: neben der ohnehin möglichen Windabschwächung über einen Drehpoti überwacht ein Programm die Registrierung und passt entsprechend die Windleistung an. Dies klingt zunächst einmal nicht spektakulär, bietet aber viele Vorteile. In der sehr direkten Akustik in St. Peter und der unmittelbaren Nähe der Orgel zum Zuhörer ist jedes technische Geräusch störend, so auch eventuelle Lauf- oder Windgeräusche der beiden Windmaschinen. Der Organist besitzt die Möglichkeit, für jedes Register den erforderlichen Windbedarf einzustellen und fest einzuspeichern. So haben wir zum Beispiel dem Subbass 16' bei einer schwachen Registrierung weniger Wind gegeben und somit einen Zartbass geschaffen. Mit zunehmender Aufregistrierung wird der Zartbass zum Subbass. In der Romantik nichts Neues, aber jetzt eben anders realisiert.

 

Hier zwei Screenshots aus dieser Bedienebene des Touchdisplays

T WR

  T WR POS

 

 

Nach der Anmeldung mittels des persönlichen Transponderchips  sind von
diesem Startbildschirm zunächst die wichtigsten Funktionen direkt anwählbar.

T Startbildschirm

 


Zusätzliche, frei programmierbare Koppeln werden über den so genannten
"Koppelknecht" eingestellt. Da aber die Einschaltung über den Touch, besonders
beim Improvisieren praxisfremd ist, haben wir zusätzliche Registerwippen
mit einem jeweiligen Display geschaffen.
So kann sich der Organist die zuvor im Touch eingestellten Koppeln
hoch auf die jeweilige Registerwippe legen und entsprechend beschriften.
Für das eigentliche Orgelspiel kann dann der Touch wieder eingeschoben werden.

T Koppelknecht

 Koppelprogrammierung

 

T Anzeige Koppeln

 Anzeige und Auswahl über den Touch

 

T Koppelbeschriftung

Bereich der Koppelwippenbeschriftung

  T freie Koppelwippen

 Ergebnis

 

Nun zu den Intervallkoppeln!
Über dieses Menü wählt man den entsprechenden Koppelassistenten.

T Koppelassistent

 

T Intervall Programmierung

Programmierung der Intervallkoppeln

 

T Intervall Anzeige

Anzeige und Auswahl der programmierten Intervallkoppeln

 

 

Die dynamischen Koppeln

Ähnlich der aus dem Kino-Orgel-Sektor bekannten Second-Touch-Funktion können
bestimmte Funktionen hinterlegt werden, die dann bei einem Forte-Spiel abgerufen werden.
Der Abruf dieser Funktionen erfolgt immer pro Taste bzw. Ton und nicht direkt auf das ganze Manual wirkend.

So bewirkt die Koppel II/If, dass bei schnellem Anschlag im I. Manual das II. Manual individuell hinzukoppelt wird.

Oder bei einer IIf->I, dass bei schnellem Anschlag auf  Manual II selbiges durch die Registrierung im I. ersetzt wird.

Die entscheidenden Velocity-Werte können durch den Organisten selbst variiert werden.

Auch ist es möglich auf einfache Weise die Tastenleerreise sowie den Einschalt- und auch Ausschaltzeitpunkt zu verändern.
Dies ist besonders bei elektrischen Koppeln in Verbindung einer ansonsten mechanischen Spieltraktur oder bei großen
Orgelanlagen mit verschiedenen Standorten für eine Beeinflussung der Laufzeitenproblematik von besonderem Interesse.

 T dynamische Koppeln

 

Je nach Mikrofonsituation kann es sinnvoll sein, dass die Mikrofone beim Orgelspiel ausgeschaltet werden.
In Zülpich gibt es eine Automatik, die dieses Stummschalten auslöst.
Über ein gesondertes Menü können die Reaktionszeiten auf einfache Weise angepasst werden.

T Pastor Off

 

In Zülpich, St. Peter sind mehrere Anschlußstellen für den fahrbaren Spieltisch im gesamten
Kirchenraum installiert worden. Über diese Anschlußstellen ist es auch möglich, mittels eines
handelsüblichen Keyboards über die integrierte MIDI-Schnittstelle die Orgel anzuspielen.
Dies ist vielleicht für eine Taufe interessant, wenn man als Musiker in unmittelbarer Nähe zur
Taufgemeinde sein möchte, ohne direkt mit dem großen Spieltisch anrollen zu müssen.

Die Auswahl des Werkes und die Registrierung erfolgt über ein handelsübliches zusätzliches
Touch-Pad und einer entsprechenden VNC-App. Die Bedienung ist selbsterklärend.

T Registrierung Zusatztouch

 

Über dieses zweite zusätzliche Touch-Pad ist es auch möglich, in die Aufnahme und
Abspielfunktion einzugreifen. Dies erleichtert das Abhören der Registrierung ungemein, da man dadurch
aus der Sitzposition der Zuhörer die Register beliebig wechseln kann und somit den direkten klanglichen Vergleich hat.

T Aufnahmefunktion

 

 

Nun folgen noch weitere Screenshots mit einer kurzen Beschriftung.

Aber es sind längst nicht alle Funktionen und Einstellmöglichkeiten, die hier gezeigt werden.
In Zülpich, St. Peter, kann Ihnen Kantor Holger Weimbs gerne die Orgel vorstellen.

Auch ist es so, dass dieses System wächst. Wir arbeiten eng mit dem Kantor Herrn Weimbs
hinsichtlich einer Weiterentwicklung dieser Ansteuerung zusammen.
Beim Orgelspiel entwicklen sich Ideen, die kommuniziert werden.
Auch bekommt er viel Besuch von interessierten Organisten und deren Meinungen und Anregungen
fließen ebenso in einen großen Idee-Pool, welcher stetig auf Machbarkeit überprüft wird.

T Automatisches Pedal
 
Auswahl der Register für das automatische Pedal. Dies ist besonders interessant bei einem schnellen Wechsel
zwischen verschiedenen Werken bzw. Orgeln. So zum Beispiel in Zülpich zwischen Haupt- und Annokapellen-Orgel.
 
 
 
T Splittpunkt Pedalteilung
 
Einstellung des Split-Punktes Im Baß erklingen nur die normalen Pedalregister,
im Diskant nur die Register, die über die Pedalkoppeln registriert sind.
 
 
 
T Aufnahmefunktion
 
Menü zur Verwaltung des Setzerinhalts
mit dem entsprechenden Suchfenster in der Titelverwaltung
 
T Titelverwaltung
 
 
T Setzer
 
 Bedienung des Setzers und weiterer Funktionen wie Sforzando, etc.
 
 
 
T Transpositeur
 
Transpositeur